2010 könnte das heißeste Jahr der Geschichte werden. Ein kräftiges El Niño Phänomen und Treibhausgas-Werte in Rekordhöhe lassen das Quecksilber steigen.
Ironischerweise bibberten die Briten im schlimmsten Winter seit Jahrzehnten, als der britische Wetterdienst als Erstes voraussagte, 2010 werde das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und damit das Jahr 1998 überrunden. Chinesen, Nordeuropäer und manche Amerikaner mag das amüsieren.
Doch Australier, Kanadier und die Menschen im Mittelmeerraum sind bereits durch das unüblich warme Wetter verwirrt – und dürften zustimmen.
Skeptiker sagen, die Tatsache, dass 1998 bisher die Nummer eins blieb, obwohl die CO2-Emissionen steigen, entkräfte das Argument der vom Menschen gemachten globalen Erwärmung.
Meteorologen entgegnen, dass die Temperaturen nur deswegen nicht mehr dieselben Höhen erreicht haben, weil 1998 ein extrem starkes El Niño Phänomen enorme Mengen gespeicherter Hitze aus dem Pazifik in die Atmosphäre abgab. Statt dessen dominierte danach das kühlende La Niña Phänomen und verschleierte den eigentlichen Trend.
Bis jetzt jedenfalls.
El Niño hatte sein Comeback 2009, verhinderte den indischen Monsunregen und verstärkte Dürren in Lateinamerika und Australien. Und "the boy" wird weiter mit dem Wetter spielen. In Australien wird es 2010 durchschnittlich bis zu einem Grad wärmer sein, so das Meteorologische Amt Australiens.
Weitere Argumente sprechen für ein drückend heißes Jahr 2010: Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre befindet sich auf Rekordhöhe. Die Sonne wird intensiver, weil sie den Tiefstand ihres 11-jährigen Zyklus überwunden hat. Die Jahreszeiten werden wärmer und beginnen früher, was den Schluss nahe legt, dass die Widerstandskraft der Erde gegen die Kraft der Sonne nachgelassen hat. Die Ozeane und Wälder verlieren ihre Fähigkeit, CO2 zu absorbieren.
Die Vorzeichen deuten also auf ein heißes Jahr 2010 hin, nehmen das australische Meteorologische Amt und der britische Wetterdienst an.
Das könnte weitreichende und katastrophale Auswirkungen auf die globalen Emissionen und die Nahrungssicherheit haben.
1998 trocknete El Niño weite Teile der Wälder in Südostasien aus, die dann verbrannten und enorme Mengen an Treibhausgasen freisetzten; eine weitere große Hitze könnte verheerende Schäden anrichten.
Indiens Monsunregen könnte wieder ausbleiben und Ernten vernichten. Und während Südasien Dürren fürchtet, könnten Ostafrika sowie der Westen Südamerikas von den zerstörerischen Fluten heimgesucht werden, die in der Vergangenheit den Besuchen von El Niño folgten – dem sündigen "bad boy" des globalen Klimas.
Autor: James Tulloch
Veröffentlicht am: 21. Januar, 2010