Klimawandel: Schluesselthemen 2009

Klimaschutz: Unbezahlbar oder eine gute Investion?

Die G8 Climate Scorecards 2009 von Allianz und WWF zeigen, dass die G8-Staaten nicht genug gegen den Klimawandel tun. Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors, erläutert wie Marktkräfte beim Klimaschutz helfen könnten.


Klimaschutz: Unbezahlbar oder eine gute Investion?

Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors

 

Ende des Jahres geht die Weltklimakonferenz in die nächste Runde. Viele Regierungen weigern sich mehr für den Klimaschutz auszugeben. Ist das volkswirtschaftlich richtig? 

Nun, Umwelt ist zu Ende gedacht eine Art „Rohstoff“, der nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Der Klimawandel zeigt: Es ist eben nicht egal, wie viel CO2 als Folge unseres Wirtschaftens in die Umwelt entweicht. Diese ist nur begrenzt aufnahmefähig. Umwelt ist knapp und wird mit jeder weiteren Belastung immer knapper.

 

Diese Maxime hat der Club of Rome aber bereits vor mehr als 30 Jahren verbreitet. Bis heute scheint sich trotzdem nichts geändert zu haben.

Doch, heute wird das konsequenter als früher zu Ende gedacht. In den vergangenen Jahren hat uns der Klimawandel gezeigt, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Gleichzeitig ist über Emissionsrechte „Umwelt“ handelbar geworden.

 

Auch dieser Mechanismus ist weniger neu als vielmehr konsequent: Wir Ökonomen haben schon immer gefordert, dass negative Folgen nicht einfach vom Verursacher kostenlos auf die Allgemeinheit umgelegt werden sollten.  

 

In den letzten Jahrzehnten sind die Kosten der Rückversicherer für Schäden extremer Wetterbedingungen stark gestiegenen. Die Umwelt ist einfach nicht mehr kostenlos. Sie hat einen Preis erhalten. 

 

Wie wird sich das in Zukunft auswirken? 

Ich erwarte einen radikalen Wandel im Energiemix, der sich im Verlauf der nächsten Jahre immer weiter beschleunigen wird. Heute liefern fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas den Löwenanteil der weltweiten Energie. Aber sie dürften bald ihren Zenit überschritten haben.

 

Dahinter stecken vor allem zwei Treiber: die Sorge um unser Klima und Rohstoffknappheit. Die fossilen Energieträger beschleunigen durch die CO2- Emissionen den Klimawandel und werden gleichzeitig immer knapper.



Legt man den heutigen weltweiten Verbrauch an fossilen Brennstoffen zugrunde, dann, so die Schätzungen, sollten die Reserven bei Rohöl etwas über 60 Jahre reichen, bei Erdgas etwa 70 Jahre und bei Kohle 200 Jahre. Das Problem dabei: Der Energieverbrauch wächst rasant weiter.

 

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung geht in seiner Studie von 2003 davon aus, dass sich der globale Energieverbrauch bis zum Jahr 2100 vervierfachen wird.

 

Woher resultiert dieser starke Anstieg des Energiebedarfs?

Er speist sich aus zwei Quellen: Der wachsenden Weltbevölkerung – bis 2050 wird die Zahl der Menschen um 40 Prozent zulegen – und der Globalisierung. Globalisierung ist ein Wachstumstreiber, der aufstrebende Staaten wie Indien und China rasant zu neuem Wohlstand führt.

 

Das bedeutet auch: wachsende Energie- und Rohstoffnachfrage. Was da auf uns zukommt, verdeutlichen zwei Zahlen: Pro Kopf verbraucht ein Deutscher pro Jahr im Durchschnitt knapp 1.900 Liter Erdöl, ein Chinese 320 Liter. Mit wachsendem Wohlstand werden sich die beiden Werte angleichen.

 

Die steigende Energienachfrage erhöht den Druck alternative Energien einzusetzen. Die International Energy Agency hat schon 1999 festgestellt: „Die Welt befindet sich in der Frühphase eines unvermeidlichen Übergangs zu einem nachhaltigen Energiesystem, das überwiegend von erneuerbaren Ressourcen abhängt.“ Wir sollten uns darauf einstellen – auch als Investoren. 

 

Können die Mechanismen der Marktwirtschaft bei einem so gravierenden Problem überhaupt helfen? 

Mit Sicherheit. Aber dafür müsste das Investieren in die Umwelt und den Klimaschutz zum Motto breiter Bevölkerungskreise in vielen Ländern werden. Und warum sollte etwas, dass Klimaschutz bedeutet, nicht auch für die eigene Kapitalanlage oder das eigene Depot gut sein?

 

Wir haben einen enormen Kapitalbedarf um etwa von den fossilen Energieträger auf klimaneutrale Energieträger umzusteigen. Da sind private Investitionen erforderlich.  


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Ganz konkret: Wie kann ich das als privater Anleger tun? 

Zum Beispiel in dem Sie in Firmen investieren, die an neuen Energieträgern arbeiten oder an mehr Energieeffizienz. Hier gibt es gut im Markt eingeführte Fondsprodukte.

 

Darüber hinaus kann man auf Firmen setzen, die sich rund um das Thema  „Wasser“ - auch ein immer knapper werdendes Gut - und Recycling kümmern. Jeder Investor, ob Privatmann oder institutioneller Anleger, kann seinen Beitrag leisten. Gerade im Fahrwasser der Finanz-und Wirtschaftskrise ergeben sich für riskiobewusste Anleger attraktive Investitionsmöglichkeiten.    

 

Das Interview führte: Thilo Kunzemann

Veröffentlicht am: 1. Juli 2009

 
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