Was wissen wir eigentlich über das künftige Klima der Erde – und was wissen wir nicht? Lohnt es sich, Billionen Dollar auszugeben, um den Klimawandel zu bekämpfen? Eine Analyse von Stephen Schneider, Klimatologe an der Stanford University, USA.
![]() | Stephen Schneider, Klimatologe an der Stanford University, USA„Woher sollen wir wissen, ob die Menschen dieses Problem wirklich ernst nehmen?“ (Foto: Stephen Schneider) |
Was für ein Klima werden wir Ende dieses Jahrhunderts auf der Erde haben?
Wie ging noch der alte Witz? Vorhersagen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.
Was braucht man, um das Klima für das Jahr 2100 vorherzusagen? Nun, man muss wissen, wie viel CO2, Methan, Stickstoffoxid und Aerosole – also Staub und Rauch – vorhanden sein werden. Denn diese Faktoren beeinflussen den Druck auf das Klimasystem – und damit, ob es wärmer oder kälter wird.
Wir wissen, dass es wärmer wird – zumindest das ist sicher. Aber es ist eben nicht bekannt, wie sich diese Faktoren auswirken, weil es keinen historischen Vergleich gibt. Nie zuvor hat es sechs bis zehn Milliarden Menschen auf der Erde gegeben, die ihren Lebensstandard gewaltig verbessern wollen und die auch noch die billigsten Technologien nutzen – Kohle- und Ölfeuerung, große Autos -, um das zu erreichen.
Bevor man also vorhersagen kann, wie warm es im Jahr 2100 sein wird – und ob es ein paar Billionen Dollar wert ist, das zu vermeiden –, muss man einige soziale Faktoren kennen.
Welche Faktoren sind das?
Wie groß ist die Weltbevölkerung? Welchen Lebensstandard haben die Menschen? Zuerst multipliziert man die Bevölkerungszahl mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf – das ist die übliche Art, den Lebensstandard zu errechnen.
Dann multipliziert man das Ergebnis mit der Energie, die durchschnittlich pro Kopf verbraucht wird - wir nennen das die Energieintensität. Sie ist entscheidend. Und woher wissen wir nun, ob die Menschen dieses Problem auch wirklich ernst nehmen?
Wie sehen die Klimaszenarien für das Ende unseres Jahrhunderts aus?
Die Treibhausgas-Konzentration steigt zunächst auf das doppelte der vorindustriellen Zeit an, danach wird sie drastisch fallen, weil wir mittels neuer Technologien einen Ausweg gefunden haben.
Das wird ab 2020 der Fall sein. Bis zum Ende des Jahrhunderts liegt das CO2-Niveau dann nur etwa 80 Prozent über dem der vorindustriellen Zeit. Das ist leider ein positives Szenario.
Und nun das negative: Alles geht seinen gewohnten Gang. Wir mehren so schnell wie möglich unseren Wohlstand. Wir machen genau das Gleiche wie die reichen Länder zur Zeit der Industrialisierung: Wir haben ausbeuterische Betriebe und Kohle- Verbrennungsmotoren. Nun, was glauben Sie, was in China und Indien passiert?
Welches Szenario ist wahrscheinlich?
In den nächsten 25 Jahren werden die Temperaturen schätzungsweise zwischen 1,5 und 4,5 Grad Celsius steigen. Der Weltklimarat hält derzeit 2 bis 4,5 Prozent für wahrscheinlich. „Wahrscheinlich“ bedeutet aber nur eine Trefferquote von zwei Drittel bis 90 Prozent.
Das heißt es gibt immer noch eine Chance von fünf bis sieben Prozent, dass der Temperaturanstieg unter zwei Grad bleibt - oder das Gegenteil, dass er auf über 4,5 Grad geht.
Das Schlimmste wäre ein Anstieg um über sieben Grad. Das ist eine geradezu astronomische Zahl, weil beispielsweise eine Eiszeit um rund sechs Grad kälter ist als die Zwischeneiszeit, in der wir jetzt leben.
Noch besteht eine zehnprozentige Wahrscheinlichkeit, dass wir auf einen Temperaturunterschied kommen, der zwischen einer Eiszeit und einer Zwischeneiszeit liegt. Und das Ganze innerhalb eines Jahrhunderts – nicht im Verlauf von fünftausend Jahren.
Wenn wir so weitermachen wie bisher, ist das der einfachste Weg in eine Katastrophe, denkt man an die Auslöschung ganzer Spezies, verwüstete Küstenbereiche, Brände, Hitzewellen, Dürren und Fluten. Oder wie Bill Clinton es ausdrückte, als ich ihm 1997 im Weißen Haus die Szenarien präsentierte: „Das ganze biblische Zeug“.
Autor: Valdis Wish
Veröffentlicht am: 12. Mai 2009