Der Klimawandel macht sich auch in Österreich bereits in den unterschiedlichsten Facetten bemerkbar. Lesen Sie hier, welche Auswirkungen bereits spürbar sind, und was getan wird, um den klimatischen Veränderungen Einhalt zu gebieten.
![]() | Der Pasterze GletscherSeit 1856 hat der Pasterze Gletscher im österreichischen Mölltal fast die Hälfte seiner ursprünglichen Fläche von 30 Quadratkilometern verloren. (Foto: Reuters) |
Um den klimatischen Veränderungen Einhalt zu gebieten, hat sich Österreich verpflichtet, den Kohlendioxid-Ausstoß im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 um 13 Prozent zu reduzieren. Im Jahr 2006 hatte Österreich eine Kohlendioxid-Gesamtemission von 91,1 Millionen Tonnen.
Spürbare Auswirkungen
Innerhalb der letzten 100 Jahre erhöhte sich die Jahresdurchschnittstemperatur in Österreich um 1,8 °C – bis 2085 werden Termperaturanstiege von 2,5 bis 5 °C prognostiziert. Einer Studie des Meteorologischen Instituts in Wien zufolge wird es 2040 dreimal mehr Hitzetage (über 30°C) geben als noch 1990. Wie die Schweiz liegt Österreich damit deutlich über dem europäischen Mittel.
Die Auswirkungen lassen sich besonders gut in den österreichischen Gletschern der Ostalpen ablesen: Diese verloren in den letzten 150 Jahren 52 Prozent ihrer Fläche sowie 60 Prozent ihrer Masse.
Betroffen sind auch eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Schätzungen zufolge sind 40 Prozent der höheren Pflanzen, 55 Prozent der Säugetiere, 59 Prozent der Vogelarten und 65 Prozent der Fischarten durch den Klimawandel gefährdet.
![]() | Vom Aussterben bedrohtDie europäische Sumpfschildkröte ist eine von vielen Tierarten, die in Österreich auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten steht. (Foto: M. Kutzli) |
Auch der Vegetationsgürtel verschiebt sich stetig nach oben. Künftig wird sich die Artenzusammensetzung in Österreich deutlich verändern.
Der WWF befürchtet, dass vor allem Wälder aufgrund ihrer langsamen Generationenfolge – 100 bis 500 Jahre – mit der raschen Klimaänderung nicht mithalten können.
Einer Studie des Österreichischen Umweltbundesamtes zufolge werden davon besonders Fichten betroffen sein, die sehr empfindlich auf Veränderungen des Wasserhaushaltes reagieren. Die Forscher rechnen mit einem Verlust von mehr als 20 Prozent des gesamten Bestands innerhalb einer Dekade.
Chancen
Neben den vielen negativen Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, gibt es auch Chancen. In erster Linie lassen sich Vorteile in den Bereichen Landwirtschaft und Tourismus erkennen.
Zwar leiden Ackerbau und Viehzucht unter extremen Hitzeperioden wie etwa im Jahr 2003, im Schnitt wird sich an der Niederschlagsmenge in Österreich aber wenig ändern. Der WWF prognostiziert darüberhinaus, dass die jährliche Vegetationsperiode von knapp 260 Tagen im Jahr 1990 auf über 280 Tage im Jahr 2040 ansteigen wird.
Während der Skitourismus vor allem in tiefer liegenden Bergregionen Einbußen erleiden dürfte, könnte der Sommertourismus von verhältnismäßig kühlen Temperaturen in den österreichischen Bergregionen profitieren.
Österreichs Antwort auf den Klimawandel
Österreich hat sich im Rahmen des Kyoto-Protokolls vertraglich dazu verpflichtet, die Treibhausgas-Emission in den Jahren 2008 bis 2012 um 13 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. Das Klimaschutzziel soll durch ein Drei-Säulen-Modell erreicht werden, das verstärkt auf die Nutzung und Förderung von erneuerbarer Energie setzt.
Konsequenzen für die Versicherungswirtschaft
Auch die Versicherungswirtschaft muss sich auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen. Vermehrte Naturgefahren stellen einen Unsicherheitsfaktor dar, der entsprechend berücksichtigt werden muss. Wetterextreme können etwa zu vermehrten Hagel- und Sturmschäden führen.
„Versicherungen können sich als aktive Manager des komplexen Risikos Klimawandel profilieren, indem sie überzeugend Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und selbst etwas zu klimaneutralem Wirtschaften beitragen“, so der Allianz Elementar Vorstandsvorsitzende Wolfram Littich.
Autor: Manfred Rapolter
Veröffentlicht am: 14. April 2009