Die einflussreichste Grüne Partei der Welt, mehr Solarenergieleistung als jedes andere Land der Erde – Deutschland hat sich lange als Vorreiter in Sachen Umweltschutz gesehen. Jetzt entdeckt die deutsche Öffentlichkeit, dass das Land nicht ganz so „grün“ ist, wie erhofft.
Deutsche Autohersteller sehen großen Herausforderungen entgegen, die EU-Richtlinien für CO2-Emissionen zu erfüllen. Außerdem erfordert der Ausstieg aus der Atomenergie entweder hohe Investitionen in erneuerbare Energien oder eine Rückkehr zur reichlich vorhandenen, aber klimaschädlichen Energie aus Kohle.
Die jahrzehntelange Arbeit von Politikern, Wissenschaftlern und Investoren hat Deutschland in eine gute Ausgangslage für den Wandel zu einer effizienteren und klimafreundlicheren Wirtschaft gebracht.
Seit der Wiedervereinigung von Ost und West im Jahr 1990 reduzierte Deutschland seinen Kohlendioxid-Ausstoß, während andere Länder zulegten. Diese Minderung liegt allerdings am wirtschaftlichen Niedergang emissionsreicher Industrien in Ostdeutschland.
Der Weg zu einer „grünen“ Wirtschaft ist aber noch lang. Eine große Hürde ist Deutschlands Abhängigkeit von Kohle.
Fragen der Energiesicherheit – wie beispielsweise der Wunsch, die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas zu reduzieren – steigende Energiekosten, oder der Ausstieg aus der Atomenergie könnten die Abkehr von Kohlekraftwerken verzögern. Dieser ist nach Ansicht von Wissenschaftlern aber notwendig, um den nationalen CO2-Ausstoß deutlich zu verringern.
Profitable Energie-Revolution
Obwohl die deutsche Regierung eine Reduzierung der CO2-Emissionen anstrebt, waren Anfang 2007 noch mehr als zwei Dutzend neue Kohlekraftwerke geplant oder in Bau. Strikte ökologische Bestimmungen, so das Argument der Kohlebefürworter, könnten zum Verlust von Arbeitsplätzen und höheren Energiekosten in Deutschland führen.
![]() | Juni 2007: G8-Gipfel in HeiligendammBundeskanzlerin Merkel wartet auf Repräsentanten der G8-Staaten in Heiligendamm, Deutschland. (Foto: Reuters) |
Dabei ist die weltweite „Energie-Revolution“ für die deutsche Industrie bereits ein gutes Geschäft. Seit den 90er Jahren gehört Deutschland bei Technologien für Energien aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft zur Weltspitze.
Neben einer wachsenden Nachfrage im eigenen Land exportierte die Bundesrepublik im Jahr 2006 Solarzellen, Windturbinen und andere Technologien im Wert von über sechs Milliarden Euro.
Gleichzeitig treibt die Regierung die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden, Haushaltsgeräten und Transportmitteln voran. Auf Bund- und Länderebene sollen Steuern, Steuervergünstigungen und staatliche Finanzierungen dabei helfen.
Mit dieser Politik will man den nationalen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2012 um 21 Prozent reduzieren – ein deutlich höheres Ziel als die im Kyoto-Protokoll der Vereinten Nationen vereinbarten acht Prozent.
Punkt eins der Tagesordnung: Klimaschutz
2007 war die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zugleich EU-Ratspräsidentin und Gastgeberin des G8-Gipfels in Heiligendamm. Diese einmalige politische Ausgangslage nutzte sie, um den Klimaschutz auf Platz eins der globalen Tagesordnung zu rücken.
Tatsächlich beschloss die EU, die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um insgesamt 20 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Der EU-Sonderausschuss für Klimaschutz empfahl im Februar 2009 sogar eine Senkung um 25 Prozent.
Beim Gipfel der G8 erreichte Angela Merkel eine – wenn auch vage – Absichtserklärung aller Teilnehmer bis 2050 eine Senkung der CO2-Emissionen um 50 Prozent in Erwägung zu ziehen.
Im Laufe der globalen Wirtschaftskrise wurde jedoch immer häufiger Kritik an Merkels Umweltschutz- und Klimapolitik laut. Merkel fehle es an Durchsetzungskraft in den eigenen Reihen, so Bundesumweltminister Gabriel im März 2009.
Berlin und Brüssel hoffen nun, dass auch die übrigen Industrie- und Entwicklungsländer mit ambitionierten Plänen zur Emissions-Reduktion nachziehen. Ein Klima-Experte zum Wochenmagazin „Der Spiegel“: „Solange China, Indien und die USA so weitermachen wie bisher, ist das, was wir Deutsche tun, mehr oder weniger unerheblich.“
Erste Anzeichen für eine Annäherung in der Klimapolitik der beiden weltweit größten Treibhausgas-Produzenten, China und USA, gibt es seit dem Amtsantritt Barack Obamas.
Autor: Valdis Wish
Veröffentlicht am: 14. April 2009