Das Wetter beherrscht die Menschen, sie fürchten Dürren und beten für Regen. Filmemacher Robert Greene untersucht, ob man das Wetter kontollieren und den Klimawandel austricksen kann.
![]() | Robert Greene, Regisseur "Owning the Weather":"Der Himmel über Texas wird auf 18 Prozent der Fläche manipuliert, weil die Farmer und Unternehmen dort mehr Regen wollen." (Foto: Robert Greene) |
Ihr Film thematisiert die Manipulation des Wetters. Warum sollte jemand etwas Derartiges versuchen?
Das Wetter beeinflusst die Wirtschaft, unsere Stimmung und das Gesellschaftswachstum. Daher haben wir uns die Frage gestellt, was geschehen würde, wenn wir es beherrschen könnten.
Wir haben erst die Geschichte der Wettermanipulation untersucht und dann das Geo-Engineering, bei dem es darum geht, den Klimawandel einzudämmen. Dazu gehören Projekte wie: 17 Billionen installierte Spiegel im Weltraum, um Sonnenlicht abzuhalten oder das Nachahmen eines Vulkanausbruchs, indem wir Schwefeldioxid in die Luft bringen. Aber es ist auch eine philosophische Frage: Was bedeutet es, die Umwelt kontrollieren zu können?
Glauben Sie unser Verhältnis zum Wetter hat sich bereits so sehr geändert?
Wir waren dem Wetter ausgeliefert. Fast die gesamte Menschheitsgeschichte über war es das Wichtigste in unserem Leben. Dann ermöglichte eine ganze Reihe wissenschaftlicher Revolutionen mehr Kontrolle über die Elemente.
Ventilatoren, Klimaanlagen, Autos, sogar ein Mantel – man kann die komplette Geschichte der angewandten Wissenschaften auch als Versuche betrachten, das Wetter zu kontrollieren.
Wir können uns vor dem Wetter schützen, aber wir konnten es nie kontrollieren. Hat sich das geändert?
Also den Traum gab es schon immer. Aber erst vor rund 60 Jahren, als die "Wolkenimpfung" erfunden wurde, haben wir begonnen ernsthaft über die Manipulation des Wetters nachzudenken.
Kein Wissenschaftler wird je zugeben, dass wir das Wetter kontrollieren wollen. Es geht eher darum, dass es jetzt angesichts des Klimawandels Zeit wird, auch über abwegige Möglichkeiten nachzudenken. Was geschieht, wenn das Klima so weit außer Kontrolle gerät, dass die Beeinflussung von Wirbelstürmen oder Regenwolken schon fast zur Überlebensfrage wird? Genau das geschieht bereits.
Die Wolkenimpfung ist die Mutter der Wettermanipulationen. Funktioniert das wirklich?
Beim Wolkenimpfen werden Wolken mit Silberjodid-Partikeln versetzt. Sie verbinden sich mit Wassertropfen und fallen als Regen herab. Im Labor funktioniert das, aber inwieweit es auch im Freien funktionieren würde, kann keiner sagen.
Die Glanzzeit des Wolkenimpfens endete Mitte der 60er Jahre, als herauskam, dass die USA in Vietnam Wolken impften, um den Ho-Chi-Minh-Pfad lahmzulegen. Daraufhin wurden fast alle Bundesmittel gestrichen. Es gab einige Hinweise darauf, dass es funktioniert hatte, aber das waren eben nur Indizien.
Derzeit wird die Impfung nur lokal im Westen der USA praktiziert. Was viele Leute nicht wissen: Der Himmel über Texas wird auf 18 Prozent der Fläche geimpft, weil die Farmer und Unternehmen dort mehr Regen wollen.
Der Trailer zu "Owning the Weather" (in englischer Sprache)
Die Vorteile liegen auf der Hand, aber wo liegen die Gefahren?
Was passiert, wenn nach der Impfung einer Wolke der Regen nicht dort fällt, wo er gebraucht wird? Oder wenn dadurch anderen Orten der Regen entzogen wird? Dann ist da noch die Chemikalie selbst, die sich in Wasser überwiegend auflöst. Es heißt, sie sei weniger schädlich als der Umgang mit Fotopapier, wofür eine ähnliche Chemikalie benutzt wird. Dennoch addieren sich diese Stoffe irgendwann.
Welche weiteren Technologien könnten das Wetter verändern?
Grundsätzlich gibt es mehrere Arten der Wetterbeeinflussung. Am gewaltigsten ist das Geo-Engineering mit seinen Science-Fiction-Projekten wie 16 Billionen winziger Scheiben im All, die rund zwei Prozent des Sonnenlichts in den Weltraum reflektieren sollen.
Technologien, um Wirbelstürme abzuschwächen, sind zwar vorgeschlagen, aber nie ausprobiert worden: So sollen beispielsweise Ölteppiche auf dem Meer ausgebracht werden oder ein riesiges Gel im Ozean soll der Atmosphäre Feuchtigkeit entziehen ins Meer tropfen lassen.
![]() | Bildergalerie: Die Anpassung an den Klimawandel - möglich oder Utopie?(Zum Anschauen auf das Bild klicken) |
Bill Gates hat sich eine Technologie zur Beeinflussung von Wirbelstürmen patentieren lassen: Kaltes Wasser wird vom Meeresboden nach oben gepumpt, weil Wirbelstürme sich über warmem Wasser aufbauen.
Die beliebteste Idee ist der künstliche Vulkan: Bei dieser Methode soll Schwefeldioxid in der Atmosphäre verteilt werden. Damit würde der Effekt eines großen Vulkanausbruchs nachgeahmt, bei dem das Schwefeldioxid in der Atmosphäre wie eine dünne Schicht wirkt, die zwei bis vier Prozent des Sonnenlichts abblocken würde.
Wenn große Vulkane ausbrechen, kühlt die Erde um zwei bis vier Grad ab. Aber dadurch könnte wiederum die Ozonschicht geschädigt werden. Und: Was passiert, wenn nach der Freisetzung des Schwefeldioxids ein Vulkan ausbricht? Steht uns dann eine neue Eiszeit bevor?
Nehmen wir mal an, all das würde funktionieren. Wäre das nicht ein entscheidender Schritt beim Kampf gegen den Klimawandel?
Wie wollen Sie entscheiden, was zu tun ist – das ist dann die große Frage. Die Russen beispielsweise freuen sich über die Erderwärmung, weil sie dadurch Menschen in Sibirien ansiedeln können. Was geschieht also, wenn die USA New York vor der Überflutung retten wollen und der Rest der Welt Nein sagt?
Ein anderes Beispiel: Wie soll der Schwefel in die Atmosphäre gelangen? Wo soll er zuerst hin und welche Art von Vertrag wäre dafür nötig? Es wirkt schon ein bisschen verrückt.
Die meisten Wissenschaftler, mit denen wir gesprochen haben, sind sich dieser Probleme durchaus bewusst. Sie betrachten das Geo-Engineering als letzte Rückversicherung.
Was könnte schiefgehen?
Wir haben keine Ahnung. Das Problem ist, dass diese Wissenschaft wirklich chaotisch ist. Es ist ein Wissenschaftszweig, der sich entwickelt, der ständig andere Modelle hat.
Wissenschaftler aus dem Bereich Geo-Engineering nutzen oft eine Metapher aus der Chirurgie: Wir wissen sehr wenig über das Gehirn, aber die ganze Zeit führen wir Hirnoperationen durch. Bei einer Krankheit wird operiert. Das birgt zwar Risiken, ist aber immer noch besser als zu sterben.
Wie weit werden wir Ihrer Meinung nach in 20 Jahren sein? Werden wir das Wetter beeinflussen?
Dass wir in 20 Jahren das Wetter kontrollieren, glaube ich nicht. Aber die langsame Entwicklung vom Opfer des Wetters zu seinem Beherrscher wird weitergehen. Ich denke, wir werden dem Wissen um die Funktionsweise des Wolkenimpfens näherkommen. Das "Regenmachen" wird wahrscheinlich viel gebräuchlicher werden.
Vermutlich wird es auch Technologien geben, die versuchen, Wirbelstürme zu stoppen. Ich glaube nicht, dass sich Bill Gates mit Projekten befasst, bei denen er wie Don Quixote gegen Windmühlen kämpft.
Natürlich könnte es eine heftige Gegenreaktion der Öffentlichkeit geben und die Projekte verschwinden wieder in der Schublade. Aber wenn wir das Wetter nicht mehr für einen Akt Gottes halten – wie ändert das dann unser Bild von der Welt? Das ist eine philosophische Frage mit enormen Dimensionen.
Autor: Thilo Kunzemann
Veröffentlicht am: 07.01.2010