Konsumenten wünschen sich mehr klimafreundliche Produkte, so das Ergebnis einer Studie der Initiative „2° - deutsche Unternehmer für den Klimaschutz“. Aber was sind klimafreundliche Produkte überhaupt und wo liegen die Chancen für Unternehmen?
Klimaschutz und Energieeffizienz bei der Kaufentscheidung hat in den letzten Jahren in allen Lebens- und Konsumbereichen deutlich zugenommen – genau das belegt die von der Marktforschungs-gesellschaft GfK und dem Beratungsunternehmen :response durchgeführte Studie „Klimaschutz für Alle! Klimafreundlicher Konsum als neue Säule für den Klimaschutz!“.
Auftraggeber der Studie ist die Initiative „2° - deutsche Unternehmer für den Klimaschutz“, an der Unternehmen wie OTTO, Hubert Burda Media, die EnBW AG und die Allianz beteiligt sind.
Marek Wallenfels, Geschäftsführer der 2° Initiative, freut sich über die klaren Ergebnisse der Studie: „Über 90 Prozent der Verbraucher wünschen sich mehr klimafreundliche Produkte und eine bessere Kennzeichnung, wie klima- bzw. umweltfreundlich ein Produkt wirklich ist,“ sagt er. „Das ist ein erstaunlich deutliches Ergebnis.“
„Interessant ist jedoch vor allem, dass nur vier Prozent der Verbraucher bereit sind, für ein klimafreundliches Produkt deutlich mehr zu bezahlen, wenn damit keine Kosten- und Energieeinspareffekte – wie z.B. bei effizienten Haushaltsgeräten – verbunden sind.“
Obwohl die Aspekte Klimaschutz- und Energieeffizienz heute fast die Hälfte der Bürger beeinflussen, lehnen die Verbraucher Konsumverzicht, die Einschränkung der Produktvielfalt oder spürbare Preisaufschläge für den Klimaschutz also mehrheitlich ab.
Die Studie ergab außerdem, dass Frauen deutlich klima- und preisbewusster konsumieren als Männer.
Aber was sind denn eigentlich klimafreundliche Produkte?
Die Treibhausgasemissionen, die zur Herstellung, Verwendung und Entsorgung des Produkts ausgestoßen werden, sind ein wichtiges Kriterium, ob ein Produkt klimafreundlich ist oder nicht.
Aber generell gilt: Umweltfreundlich ist auch klimafreundlich. Zum Beispiel achtet man darauf, ob ein Reinigungsmittel umweltfreundlich hergestellt wird, biologisch gut abbaubar ist und in einer umweltfreundlichen Verpackung verkauft wird.
Bei Waschmaschinen ist der Stromverbrauch ein wichtiger Aspekt; bei Textilien hingegen, ob beispielsweise die Baumwolle unter ökologischen Kriterien angebaut wird.
Klimafreundliches Verbraucherverhalten als Chance für Unternehmen
Aus der Studie „Klimaschutz für Alle!“ ergeben sich für Politik und Unternehmen auch einige Handlungsempfehlungen.
„Dass Verbraucher mehr klimafreundliche Produkte wollen, ist nicht nur für den Klimaschutz eine gute Nachricht,“ so Wallenfels. „Auch für Unternehmen ist es eine Chance, klimafreundlichere Produkte anzubieten und damit einen neuen, bisher fast unerschlossenen Markt zu erschließen.“
Manche Unternehmen haben diese Nische schon entdeckt: Der Computerhersteller DELL beispielsweise bietet PCs mit optimiertem Energieverbrauch an, dessen Materialien eine Reparatur und Aufrüstbarkeit erleichtern und eine Wiederverwendung oder Wiederverwertung ermöglichen.
Beim Kleiderlabel „armedangels“ sind Baumwolle und Produktion Fairtrade zertifiziert – die Stoffe kommen aus ökologischem Anbau, soziale Arbeitsbedingungen in der Produktion sind vorausgesetzt.
Und die Pflegeprodukte des Naturkosmetikherstellers i+m werden nur mit biologischen Rohstoffen ohne tierische Stoffe hergestellt und mit umweltverträglichen Verpackungen ausgeliefert.
Aber auch Versicherungsunternehmen wie die Allianz, die zunehmend vom Klimawandel betroffen sind, bieten eine Reihe klimafreundlicher Produkte an: Anleger können zum Beispiel in Nachhaltigkeitsfonds der Allianz Global Investors klimafreundlich investieren.
Das Fondsvolumen des Allianz Global Eco Trends beträgt bereits 1,1 Milliarden Euro. Umweltbewusste Autofahrer können mit der KFZ Versicherung „EcoMotion“ den CO2-Ausstoß des eigenen Fahrzeugs neutralisieren.
Die Allianz gehört als Dienstleistungsunternehmen zwar nicht zu den großen CO2 –Emittenten, sieht aber klimafreundliches Verbraucherverhalten als Chance.
„Moralische Appelle, zum Beispiel weniger Auto zu fahren, oder weniger zu fliegen, verfehlen ihr Ziel. Wenn wir jedoch dem Bürger die Möglichkeit geben, sich für ein klimafreundlicheres Produkt entscheiden zu können und die Klimafreundlichkeit als Entscheidungskriterium beim Kauf oder Nichtkauf eines Produkts zu berücksichtigen, wäre schon viel gewonnen,“ so Thomas Pleines, Vorsitzender des Vorstands der Allianz Versicherungs-AG.
Doch nicht überall, wo klimafreundlich draufsteht, ist auch klimafreundlich drin. In der Regel sind die Produkte mit einem „Label“ gekennzeichnet, zum Beispiel mit dem blauen Engel oder der Euroblume. Aber eine standardisierte Kennzeichnung klimafreundlicher Produkte gibt es noch nicht wirklich.
Hier ist die Politik gefordert, die Kennzeichnung von klimafreundlichen und energieeffizienten Produkten weiter zu entwickeln.
Aber auch auf unternehmerischer Seite gibt es ein großes Verbesserungspotenzial, – vor allem beim Verkaufs- und Beratungsprozess und bei der Transparenz der Klimawirkung – dem Bürger die Gelegenheit zu geben, sich in seinen alltäglichen Entscheidungen klimafreundlich zu verhalten.
Eines ist klar: Um klimafreundlichen Konsum nachhaltig zu stärken, brauchen wir politische Rahmenbedingungen und unternehmerische Innovationen.
Aber die Verantwortung für den Klimaschutz darf sich nicht auf Politik und Wirtschaft beschränken: Wenn das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, erreicht werden soll, ist auch jeder einzelne Konsument gefragt.
Autor: Miki Yokoyama
Veröffentlicht am: 10. Juli 2009