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Was passiert nach Kopenhagen?

Dr. Joachim Faber, Vorstandsmitglied der Allianz SE erläutert, wie der Kopenhagener Klimagipfel von größtem Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft sein kann.


Was passiert nach Kopenhagen?

Dr. Joachim Faber:

"Die Politik muss dafür sorgen, dass die CO2-Verringerungskosten so gering wie möglich sind, sonst steigen die Bürger auf die Barrikaden." (Foto: Allianz)

 

Während die Politik mit der Eindämmung der Weltwirtschaftskrise vollauf beschäftigt ist, findet der Klimawandel unverändert statt. Hauptauslöser ist der gewaltige Energiebedarf, der mit einer wachsenden Weltbevölkerung und einem steigenden Bruttoinlandsprodukt einhergeht.

 

Der globale Konjunktureinbruch mag den Energiehunger in den Industriestaaten kurzfristig hemmen. In Schwellenländer wie Indien, China oder Brasilien hat das Wachstum bereits wieder eingesetzt. Das lässt ahnen, in was für ein Energie- und Klimawandelszenario wir eintreten, wenn die Weltwirtschaft wieder Tritt fasst.  

 

Aber nicht der gewaltige Energiebedarf ist unser Problem, sondern die Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre durch die Verbrennung fossiler Stoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Dagegen müssen wir mit klimaschonenden Energietechniken vorgehen, und zwar koordiniert und weltweit.

 

Deshalb ist es so wichtig, dass wir in Kopenhagen Ende 2009 ein neues globales Klimaabkommen bekommen mit verbindlichen CO2-Reduktionszielen für Industrie- und Schwellenländer. Es soll gewährleisten, dass auch in der Zeit nach 2012, wenn die Kyoto-Verpflichtungsperiode ausläuft, ausreichend Maßnahmen ergriffen werden, um den Anstieg der Erdtemperatur auf maximal 2 Grad zu begrenzen. Dabei ist unsicher, ob die bisher errechneten Reduktionsziele ausreichen werden.

 

Wie geht es nach Kopenhagen weiter?

Die Politik muss dafür sorgen, dass die CO2-Verringerungskosten so gering wie möglich sind, sonst steigen die Bürger auf die Barrikaden. Wir müssen für jeden aufgebrachten Euro so viel CO2-Reduktion wie möglich bekommen. Der Königsweg ist ein weltweit  umspannender  Handel mit Emmissionszertifikaten für Treibhausgase, der den Wettbewerb nicht verzerrt.

 

Kohlendioxid muss überall ein Kostenfaktor werden. Nur dann besteht weltumspannend ein Anreiz, diese Kosten so gering wie möglich zu halten, etwa durch Energieeinsparungen und Einsatz CO2-neutraler Technik. Über den Zertifikatehandel lässt sich übrigens auch der zu Recht eingeforderte Ausgleich mit den Entwicklungs- und Schwellenländern erreichen.  

 

Wenn der Rahmen steht wie beschrieben, sind Wirtschaft und Bürger dran. Von der Häusersanierung und –dämmung bis zum Ausbau regenerativer Energie aus Wind, Sonne und  Biomasse, von nachhaltig grünen Investitionen bis zum massiven Einsatz von Hybrid-, Batterie- und Brennstoffzellentechnik im Autobau.

 

Ziel eines so skizzierten marktwirtschaftlichen Anreizsystems ist es schließlich, die CO2-Reduktion rasch zu einem attraktiven Geschäft zu machen. Diese wirtschaftliche Dynamik brauchen wir, um Klimaschutz,und Wohlfahrtsgewinn untrennbar zu gewinnen – ganz zu schweigen von einer verbesserten Lebensqualität durch eine sauberere Umwelt.  


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