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Windkraft in Deutschland: vom Land aufs Meer

Weltweit wird immer mehr Windenergie produziert und verbraucht. In Deutschland ist der Markt fast gesättigt. Hochsee-Windparks könnten der nächste große Schritt sein.


Windkraft in Deutschland: vom Land aufs Meer

Stürmische Zeiten

Brunsbüttel: Ein Kran hebt einen Rotor auf eine riesige Windturbine. Obwohl die Anlage an Land steht, ist sie für Hochsee-Windparks konstruiert (Foto: Reuters)

 

Es ist kein Wunder, dass sich so viele Firmen und Länder für Windenergie interessieren. Zwei Jahrzehnte lang wurde investiert und die Technologie ständig weiterentwickelt. Inzwischen haben Windturbinen das Potenzial, aus einer unerschöpflichen Energiequelle sauberen und günstigen Strom zu produzieren.  

 

Beim Kurs auf die globale Windenergie hat Deutschland die Nase vorn. Der Markt wuchs 2009 um 15 Prozent, die Kapazität für Windenergie liegt bei 25.777 Megawatt – die größte in Europa und die drittgrößte weltweit. 

 

Kein anderes Land hat die Windenergie so stark gefördert und dazu beigetragen, sie zu einer wettbewerbsfähigen Energiequelle zu machen. Das zahlt sich nun offensichtlich aus: 2009 wurden sieben Prozent des gesamten Stroms mit Windenergie erzeugt , die damit bei Weitem den größten Anteil an den erneuerbaren Energien hatte. Bis zum Jahr 2020 will die Regierung diesen Anteil auf 15 Prozent steigern.  

 

Der öffentliche Druck in den 1970er und 1980er Jahren – besonders nach der Ölkrise 1973 und der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 – trug in Deutschland dazu bei, die Menschen für für alternative Energiequellen zu begeistern. Dazu gehörten auch die ersten Generationen moderner Windturbinen.  

 

Große Erwartungen

Doch erst in den 1990er Jahren entwickelte sich die Windenergie von einer Idee für "Visionäre und Exoten" zu einem ernsthaften Industriezweig, erinnert sich Peter Ahmels, Präsident des Bundesverbands Windenergie. 

 

Gegenden mit starkem Wind waren ideal für die Windturbinen, aber ebenso das politische Klima in den 1990ern. Es war das Jahrzehnt der Klimakonferenz von Rio de Janeiro und des Kyoto-Protokolls. Und es endete in Deutschland mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2000, das feste Einspeisetarife für Strom aus erneuerbaren Energien garantierte. 

 

Um die erneuerbaren Energien voranzubringen und die CO2-Emissionen zu verringern, schuf die Bundesregierung weitere Anreize. Dazu gehörten Steuerförderungen, die den damals jungen Windenergie-Sektor stärkten und ihn zu einer ausbaufähigen Energiequelle machten. 2009 wurde das EEG novelliert. Höhere Tarife sorgten für einen neuen Wachstumsschub.



Entscheidend war auch der Beitrag der Versicherungswirtschaft. Die Unternehmen boten bereits sehr früh, als die technische Entwicklung noch sehr unsicher war, Versicherungen für Windturbinen an.  

 

"Gerade diese Sicherheit zog Investoren und ausländische Geldgeber an, deren Investitionen wiederum ausschlaggebend dafür waren, dass die deutsche Windenergie-Industrie schnell konkurrenzfähig und marktreif wurde", sagt Amelie von Both vom Allianz Zentrum für Technik.  

 

Starker Norden

Inzwischen profitiert Deutschland vom Engagement der Regierung und der Investoren. In Schleswig-Holstein beispielsweise werden 30 Prozent des Strombedarfs durch Windenergie abgedeckt. Gleichzeitig trug der Sektor dazu bei, die Treibhausgas-Emissionen erheblich zu reduzieren.

 

"Schleswig-Holstein ist sicherlich ein großer Erfolg", sagt Diana Profir, die die Green Power Market Development Group – Europe leitet, eine Initiative des World Resources Institute und der Climate Group. "Die Förderungen auf Bundes- und Landesebene haben den Markt für erneuerbare Energien angekurbelt und die Windenergie wachsen lassen."  

 

Die Windkraft ist in Schleswig Holstein wirtschaftlich sehr erfolgreich. Durch die Einspeisungen ins nationale Stromnetz wurden über 300 Millionen Euro erwirtschaftet. In den vergangenen Jahren schuf der Windsektor allein in der Region etwa 5.000 neue Arbeitsplätze.  

 

"Der Erfolg der Windkraft in Schleswig Holstein und ganz Deutschland gelten weltweit als Musterbeispiele", sagt Profir.  

 

Zwar hat Spanien inzwischen zahlenmäßig mehr Windkraftanlagen in Betrieb, doch Deutschland ist noch immer führend beim Export der Windturbinen-Technologie. Fast ein Drittel aller Windturbinen weltweit wird in Deutschland von Unternehmen wie Enercon, REpower und Siemens Wind Power gefertigt.  

 

In Ländern wie China, Indien und den Vereinigten Staaten wächst der Markt für Windenergie. Zur gleichen Zeit verzeichnet Deutschland verstärkte Nachfrage nach Technologien und Fachwissen. Die deutsche Windkraft-Industrie verdiente im Jahr 2009 mit neuen Anlagen auf der ganzen Welt 2,9 Milliarden Euro.  

 

Die Zukunft: Hochsee-Windparks

Doch trotz des Erfolgs und des voraussichtlichen Wachstums stößt Deutschland bei den Anlagen an Land an seine Grenzen.  

 

Viele Windturbinen werden nach und nach durch effizientere und leistungsfähigere Modelle ersetzt. Dieser "Repowering" genannte Vorgang wird immer wichtiger. Durch das Repowering könnte Deutschland seine Kapazitäten für Windenergie an Land verdoppeln, schreibt der internationale Global Wind Energy Council. 

 

Doch noch geht diese Erneuerung langsam vonstatten, da es nicht genügend Turbinen gibt, die alt genug sind – 15 Jahre und älter – und bei denen ein Austausch gerechtfertigt wäre. Oft verhindern auch örtliche Bauvorschriften die Errichtung von höheren Anlagen mit leistungsfähigeren Turbinen.  

 

Etliche Fachleute glauben daher, dass Deutschland eher bei Hochsee-Windparks eine Zukunft hat. 2009 wurde der erste deutsche Offshore-Windpark, die Pilotanlage Alpha Ventus mit zwölf Turbinen zu je 5 Megawatt, mit dem Festland verbunden. Ab 2010 sind weitere Projekte geplant.


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Hochsee-Windturbinen produzieren Strom aus viel stärkerem Wind. Damit spielen sie bei den ehrgeizigen Langzeitzielen, die sich die Bundesregierung und Fachleute der Industrie gesetzt haben, eine wichtige Rolle.  

 

Windenergie könnte nach Berechnungen des Umweltministeriums bis zum Jahr 2025 etwa 20 bis 25 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs decken. Der meiste Strom würde von Turbinen in Nord- und Ostsee geliefert. Bei den Versicherungsunternehmen werden inzwischen Produkte für die Absicherung von Offshore-Windprojekten entwickelt.  

 

"Das Potenzial ist gewaltig", sagt von Both mit Blick auf die geplanten Hochsee-Windparks deutscher Investoren. "Deshalb bin ich sicher, dass wir bei der Windenergie auch künftig führend sein werden."

 

Autor: Valdis Wish

Überarbeitet am: 19. Mai 2010

 
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