Artikel druckenweiterleiten
 

Im Schein der aufgehenden Sonne: Solar-Boom

Die Produktionskraft Chinas, fallende Preise und Durchbrüche bei der Technologie machten die Solarindustrie - einst nur eine grüne Nische - zu einem blühenden Markt.


Im Schein der aufgehenden Sonne: Solar-Boom

Sonnenkraft

Die Sonne ist der größte Energielieferant der Erde. Neue Technologien erlauben eine effizientere Nutzung (Foto: Reuters)

 

"The Sun Always Shines on TV", der berühmte A-ha-Song aus den 80er Jahren könnte im 21. Jahrhundert mit einer kleinen Textänderung neu aufgelegt werden: Heutzutage scheint die Sonne auf PV. 

 

Photovoltaische Solarpanele (PV) sind zu einem Symbol für erneuerbare Energie und eine grünere Zukunft geworden – leider beträgt ihr Anteil an der weltweiten Energieproduktion aber nur 0,01 Prozent. 

 

Das Wachstum ist dennoch gewaltig. Die Solarkapazität in Deutschland, Weltspitze bei der Photovoltaik, wird sich 2010 von 10 Gigawatt auf 20 GW verdoppeln. Das schätzt die Schweizer Bank UBS. Und trotz des gemäßigten Klimas in Deutschland produzieren diese Panele bereits riesige Strommengen.  

 

Die Daten von European Energy Exchange (EEX) zeigen, dass die Solarenergie bereits auf einen Anteil von 10 Prozent am deutschen Energieverbrauch kam: An mehr als 10 Tagen im Juli 2010 lieferte sie während der Höchstbelastung um die Mittagszeit rund sieben Gigawatt Strom pro Stunde – das entspricht der Leistung von sieben Atomkraftwerken.  

 

Sinkende Preise sind ein Grund für dieses explosionsartige Wachstum. Chinesische Unternehmen haben den Markt für Solarpanele erobert und erreichen einen Marktanteil von über 50 Prozent.  

 

Billige chinesische Produkte und massive Subventionen führten dazu, dass sich die Preise für Solarpanele seit 2008 mehr als halbiert haben. Shi Zhengrong, Leiter von Suntech Power Holdings, Chinas größtem Hersteller von Solarpanelen, sagte in einem Interview mit der New York Times, um sich Marktanteile zu sichern, verkaufe seine Firma Solarpanele sogar mit Verlust.  

 

Zudem entstand durch die hohen Subventionen in vielen europäischen Ländern wie Deutschland, Italien und Spanien ein großer Markt. Europäische Unternehmen, einst Marktführer, tun sich schwer, doch den Käufern kommt der Preissturz zugute.  

 

Zunehmender Wettbewerb und staatliche Subventionen sind aber nicht die einzigen Ursachen für den gegenwärtigen Solar-Boom. Die Fortschritte in der Technologie sind ebenso wichtig. Während die meisten etablierten europäischen Unternehmen ihre Marktanteile schwinden sehen, konnte die US-Firma First Solar ihre Anteile 2009 nahezu verdoppeln.  Ihr Erfolgsgeheimnis: billigere Technologie. First Solars dünne Cadmium-Tellurid-Panele sind zwar weniger effizient als die klassischen Panele auf Silizium-Basis. Doch das Unternehmen aus Arizona schaffte es, sie wesentlich kostengünstiger herzustellen.



Im Jahr 2009 konnte ihr Panel zum ersten Mal unter einem Dollar pro Watt angeboten werden. Neueste Zahlen belegen, dass der Preis bei 80 Cent pro Watt installierter Leistung liegt und damit die meisten Konkurrenten um 30 bis 40 Prozent unterbietet.  

 

Andere Wettbewerber wie die Firma Nanosolar arbeiten bereits am nächsten technologischen Coup. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen per Nanotechnologie ein Druckverfahren entwickelt, mit dem sich hauchdünne und billige Solarpanele herstellen lassen.  

 

Solar boomt

PV-Pioniere wetteifern nicht nur untereinander, sondern auch mit der konzentrierten Sonnenenergie (CPV), auch Solarthermie genannt, bei der Sonnenlicht gebündelt wird, um Flüssigkeiten in Röhren oder auf Türmen zu erhitzen und daraus Dampf zu produzieren.  

 

CPV rühmt sich der Produktion im großen Maßstab. Die größte Solaranlage der Welt und die größten geplanten Projekte sind CPV-Anlagen. Und je mehr Spiegel das Sonnenlicht reflektieren, umso mehr Dampf steht für die elektrische Turbine zur Verfügung.  

 

Mit CPV ist auch Wärmespeicherung möglich. Moderne Anlagen wie Abengoa in Südspanien erhitzen flüssiges Salz, das die Wärme 7,5 Stunden lang speichern kann. So kann das Werk auch nachts arbeiten. Diese "Grundlast" ist eine wichtige Absicherung, die die Photovoltaik noch nicht bieten kann.  

 

Andererseits kann PV leichter an die existierenden Übertragungsnetze angeschlossen werden und benötigt nur wenig Planungszeit, sogar in Ballungsräumen.  

 

CPV-Anlagen verbrauchen viel Wasser, um die Dampfturbinen zu kühlen, genau wie ein konventionelles Kraftwerk. PV-Panele hingegen wandeln Sonnenlicht direkt in Strom um und benötigen keine Kühlung - ein Vorteil in vielen trockenen und sonnigen Gegenden.  

 

In heißen Klimaregionen entspricht die Produktion des PV-Stroms dem täglichen Energieverbrauch. PV erzeugt die Energie genau dann, wenn der meiste Strom für Klimaanlagen in Gebäuden gebraucht wird. Nachts, wenn die PV-Panele nicht arbeiten, nimmt auch der Stromverbrauch normalerweise ab. 

 

Auf lange Sicht werden beide Technologien wichtig bleiben, sagt Solarexperte Robert Pitz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Doch das hänge auch vom Standort der Anlagen ab.  

 

CPV-Anlagen arbeiten nur mit direktem Sonnenlicht und eignen sich kaum für den Einsatz in gemäßigten Klimazonen. Doch für die Wüstenstaaten in Nordafrika ist CPV sehr interessant.


Verwandte Artikel


"Die Kosten für Solarenergie sind proportional zur Sonneneinstrahlung", sagt Pitz. "Die Solarenergie aus der Wüste kostet nur ein Drittel des Solarstroms aus Deutschland. Man setzt dieselbe Technik ein, aber man erhält dreimal so viel Energie." 

 

Es sei nur eine Frage der Zeit, so Pitz, bis die Solarenergie einen wesentlichen Anteil am globalen Energiemarkt erreiche. In Europa bestehe die Herausforderung darin, dezentrale kleine PV-Anlagen mit großen CPV-Anlagen in Südeuropa und Nordafrika in einem interkontinentalen Stromnetz zu vereinen.

 

In anderen Teilen der Erde könnten verschiedene Lösungen gefunden oder unterschiedliche Technologien kombiniert werden. Doch eines ist klar: Für die Solarenergie wird die Sonne nie mehr untergehen.

 

Autor: Thilo Kunzemann

Veröffentlicht am: 28. Juli 2010

 
You should upgrade your Flash Player

Bewerten Sie diesen Artikel

Wertung 4.4 von 5

miserabel         sehr gut

> Weiterempfehlen

Energiesicherheit: Strom oder Stillstand

Ein Stromausfall kann das gesamte Leben zum Stillstand bringen. Wo liegen die Gefahren und wie stellen sich einzelne Länder darauf ein?

Registrieren Sie sich für den Newsletter

Möchten Sie regelmäßig aktuelle Informationen zu unseren Themen?