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Biogas: Energie vom Bauernhof

Deutschland will weniger abhängig von Kohle, Öl und Atomkraft werden, aber Erneuerbare Energien sind nicht überall verfügbar. Inzwischen setzen viele Landwirte auf die Alternative Biogas.


Biogas: Energie vom Bauernhof

Landwirt Josef Pellmeyer mit einigen seiner „Energielieferanten“ (Foto: Allianz)

 

Für Menschen mit empfindlichem Geruchssinn ist der Aufenthalt in einer Biogasanlage, in der Stallmist, Bioabfall oder Silo-Futter vergoren werden, eine echte Herausforderung. Aber wer eine Nase für klimafreundliche Energie hat, für den riecht es dort nach Zukunft. 

 

Noch im Jahr 2006 produzierten in Deutschland 3500 Biogasanlagen weniger als ein Prozent der Elektrizität des Landes. Bis 2020 könnten es zehn Prozent werden, so der Deutsche Fachverband Biogas. Die Allianz und die Dresdner Bank fördern diese Entwicklung und finanzieren und versichern daher Biogasanlagen. 

 

Viele Anlagen nutzen Methan, das auf Mülldeponien entsteht. Landwirte wie Josef Pellmeyer, Präsident des Deutschen Fachverbands Biogas, „brauen“ dagegen ihren eigenen Energiemix. Riesige Gärungsanlagen werden mit speziellen Energiepflanzen, Speiseabfällen, Grasschnitt, altem Heu und einem guten Schuss Gülle befüllt. Innerhalb weniger Tage beginnt die Biogasproduktion.  

 

Die Energieeinspeisung ins Netz

Genau wie im Magen einer Kuh entsteht durch die Zersetzung von organischem Material ein Gas, das zu etwa zwei Dritteln aus Methan und einem Drittel aus Kohlendioxid besteht.

 

Wird dieses Gas in einem Blockheizkraftwerk verbrannt, kann es genug Energie liefern, um einen großen Bauernhof zu versorgen und überschüssige Energie ins lokale Netz einzuspeisen. Die Hitze, die beim Gärungsprozess entsteht, kann für die Beheizung der Gärungsanlage und der Gebäude genutzt werden.

 

Nachdem seine erste Anlage gut funktionierte, entschied sich Pellmeyer 2006 für den Bau einer zweiten Anlage auf seinem Hof. Finanziert wurde sie von der Dresdner Bank, versichert von der Allianz.

 

Klaus Schmuck, Leiter des Kompetenzzentrums Erneuerbare Energien bei der Dresdner Bank, sieht die Allianz und Dresdner bei Finanzierung und Versicherung in führender Position. Allianz und Dresdner, sagt er, haben „ein Rundum-Paket mit Versicherung, Finanzierung und technischer Beratung – das kann kein anderer auf dem Markt bieten.“

 

Eine gute Nachricht für die Landwirte: Ihr Ansehen ist gestiegen, seit die Öffentlichkeit ein Bewusstsein für den Klimawandel, erneuerbare Energien und die mögliche neue Rolle der Landwirte entwickelt hat. „Das hat unser Selbstvertrauen sehr gestärkt“, sagt Pellmeyer.



Das richtige Maß

Bis zum Jahr 2006 bewirtschaftete Pellmeyer seine 150 Hektar in der Nähe des Münchener Flughafens auf herkömmliche Art und Weise. Inzwischen nutzt er 70 Prozent der Ernte für die Energieproduktion, mit dem Rest füttert er seine 200 Rinder. Fast seine gesamte Energieproduktion speist er ins öffentliche Netz ein; nur zehn Prozent braucht er für seinen Hof.

 

Biogas könnte auch dazu beitragen, Deutschland weniger abhängig von Energieimporten zu machen. Nach Angaben des Fachverbands Biogas könnte Biomethan die Hälfte der Erdgasimporte aus Russland ersetzen. Dazu werden lediglich zehn Prozent der Ackerfläche benötigt; außerdem müssten Anbau- und Verwertungsmethoden optimiert werden.

 

Energie- kontra Lebensmittelproduktion?

Bis zum Jahr 2030 könnten 4,5 Millionen Hektar – also das Zehnfache der derzeit genutzten Fläche – für den Anbau spezieller Energiepflanzen erschlossen werden. Damit würde ein Viertel der Anbaufläche in Deutschland für die Energieproduktion genutzt. „Und das, ohne die Lebensmittelproduktion im geringsten einzuschränken“, fügt Pellmeyer hinzu. 

 

Experten der OECD halten dagegen, dass die Energieproduktion aus Biomasse mehr Energie verbraucht als liefert. Allerdings ist die Anlage auf Pellmeyers Hof effizienter als andere Biogasanlagen, die mit pflanzlichem Material betrieben werden.


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Auf einem Hektar Land kann so viel Biotreibstoff produziert werden, dass ein Auto damit 70.000 Kilometer weit fahren kann – das ist dreimal so viel wie mit Biodiesel, dem derzeit meistgenutzten Biokraftstoff in Deutschland. 

 

Die Vorteile von Biogas haben sich anscheinend herumgesprochen. 2004 besichtigte Chinas Premierminister Wen Jiabao Pellmeyers Hof. Für die ländliche Bevölkerung Chinas könnte die Biogasproduktion zu einer neuen Einkommensquelle werden. Außerdem könnte Biogas den ständig steigenden Energiebedarf Chinas zumindest teilweise abdecken.  

 

Autor: Frank Stern, Erstveröffentlichung im „Allianz Journal“

Veröffentlicht am: 17. Juni 2009

 
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