Energie: Energiesicherheit

Energiesicherheit in Europa: Liebesgrüße aus Russland

Wenn es um Energieressourcen geht, ist der Industrie-Gigant Europa nur ein kleines Licht. Bei der Energie scheint die Abhängigkeit vom Nachbarn Russland unausweichlich.


Energiesicherheit in Europa: Liebesgrüße aus Russland

Ein Spezialist kontrolliert ein Ventil an einem Erdgaslager des russischen Gasmonopolisten Gazprom südlich von Moskau. 40 Prozent des europäischen Erdgasbedarfs wird mit russischem Erdgas gedeckt. (Foto: Reuters)

 

Die europäische Industrialisierung wurde buchstäblich von der Kohle angetrieben, doch allmählich hat Europa auf Öl und Erdgas umgestellt. In manchen Ländern wird Kohle zwar immer noch zum heizen und für die Stromversorgung genutzt, doch Sorgen um den Klimawandel und die CO2-Emissionen könnten die Nutzung weiter reduzieren.

 

Andere fossile Brennstoffressourcen gibt es in Europa jedoch kaum. Großbritannien und Norwegen sind die beiden einzigen europäischen Staaten, die über nennenswerte Öl- und Erdgasvorkommen verfügen; doch auch ihre Förderung ist rückläufig.

 

Im Jahr 2006 wurde Großbritannien erstmals seit Jahrzehnten wieder zum Netto-Ölimporteur. Rund 45 Prozent der Ölimporte der EU kommen aus dem Mittleren Osten. Schätzungen zufolge wird in 20 Jahren 90 Prozent des Ölbedarfs der EU importiert. 

 

Beim Erdgas, das wichtig für Strom und Heizung ist, ist die Abhängigkeit von Energieimporten sogar noch größer. Rund 95 Prozent des europäischen Erdgasbedarfs wird von drei Ländern gedeckt – keines davon ist Mitglied der EU. Allein Russland liefert 40 Prozent aller Importe, bis zum Jahr 2030 werden es schätzungsweise sogar 60 Prozent sein.  

 

Sogar Kohle, obwohl in Deutschland und Polen noch reichlich vorhanden, wird zunehmend importiert. Die Europäische Kommission erwartet, dass bis zum Jahr 2030 rund 66 Prozent des EU-weiten Kohlebedarfs durch Importe abgedeckt werden müssen.

 

Der Fall Russland

Energiesicherheit in Europa bedeutet also stabile Importe. „Der wesentliche Punkt ist: Europa braucht mehr Gas und zwar von verschiedenen Lieferanten, denn wir sind hochgradig abhängig von Russland“, sagt Didier Houssin, ein Experte der Internationalen Energiebehörde.

 

Doch Europa hat bisher nicht zu einer gemeinsamen Haltung gegenüber Russland gefunden. Manche EU-Mitglieder wie Deutschland bemühen sich um enge bilaterale Beziehungen.

 

Andere, besonders die osteuropäischen Staaten, fürchten Russlands Monopol und seine Dominanz. Sie protestierten gegen die Pläne zum Bau einer direkten Pipeline von Russland nach Deutschland durch die Ostsee, die ihre Länder umgeht.


Energiesicherheit in Europa: Liebesgrüße aus Russland

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Wie viel Öl gibt es noch? Die Galerie zeigt die zehn Länder mit den weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven (Foto: Reuters)

 

Ihre Sorgen sind nicht unbegründet. Russland hat seinen Energiereichtum bereits als Druckmittel eingesetzt, um politische Entscheidungen in Nachbarländern wie der Ukraine oder Georgien zu beeinflussen.

 

Eine Möglichkeit wäre, die Vorkommen in zentralasiatischen Staaten und die Ölfelder in und um das Kaspische Meer zu nutzen, um Europas Abhängigkeit von Russland zu mindern. Es führen bereits Gas- und Ölpipelines von Aserbaidschan durch den Kaukasus zu türkischen Häfen, von wo aus Öl und Gas nach Europa verschifft werden.  

 

Strom: der Dominoeffekt

Ein weiteres wesentliches Thema für Europa ist die Sicherheit der Stromversorgung. Die Europäische Kommission versucht einen europaweiten Strommarkt aufzubauen, der zur besseren Nutzung überschüssiger Stromkapazitäten und niedrigeren Preisen führen könnte.  

 

Vorerst bekommt Europa jedoch nur die Nachteile des Verbundnetzes zu spüren. Im Jahr 2006 dehnte sich ein Stromausfall in Deutschland über den gesamten Kontinent aus.

 

Zehn Millionen Menschen hatten keinen Strom mehr: Um ein Schiff passieren zu lassen, hatte der Energieversorger E.ON eine über einen Fluss führende Hochspannungsleitung abgeschaltet und löste damit einen Stromausfall aus, von dem schließlich Österreich, Frankreich, Belgien, Italien, die Niederlande, Spanien und sogar Marokko betroffen waren.

 

Die Europäische Kommission möchte bestehende Leitungsnetze verbessern und ein durchgängiges europäisches Stromnetz schaffen. Nach ihren Angaben könnten 21 Prozent der Energie in Europa mittels erneuerbarer Quellen erzeugt werden, wenn die bestehenden Stromnetze mit kleineren, lokalen Stromerzeugern kompatibel wären, beispielsweise mit Windturbinen oder Sonnenkollektoren.


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Didier Houssin glaubt, dass ein großer Energiemarkt auch die Energiesicherheit erhöhen könnte. „Mit einem großen Markt kann man Störungen wie Stromausfälle oder Gas-Knappheit besser bewältigen“, sagt er.

 

„Aber ein großer Markt muss auch ein wirklich durchgängiger Markt sein, und das ist in Europa nicht der Fall. Wir sind auf dem Gas- und Stromsektor nicht ausreichend vernetzt.“

 

Autor: Thilo Kunzemann

Veröffentlicht am: 22. Juni 2009

 
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