Energie: Energieeffizienz

Grünes Bauen - der schnellste Weg zu weniger CO2

Gebäude verschlingen weltweit beinahe die Hälfte der Energie und stoßen fast ein Drittel der globalen Treibhausgase aus. Sie umweltfreundlicher zu bauen ist der schnellste und einfachste Weg, die Klimakatastrophe zu vermeiden.


Grünes Bauen - der schnellste Weg zu weniger CO2

Himmlische Energie

Der Papst hat das Prinzip verstanden: Solaranlagen bedecken das Dach der Audienzhalle Paul VI im Vatikan (Photo: Reuters)

 

Stellen Sie sich einen Moment lang vor, in Amerika würden alle Autos und Lastwagen von den Straßen verschwinden.

 

Genauso würde sich die ökologische Bauweise auswirken, sagen die Fachberater von McKinsey & Co. Nach ihrer Schätzung würden Ausgaben in Höhe von 520 Milliarden Dollar für energieeffizientes Bauen die CO2-Emissionen der USA bis zum Jahr 2020 um 1,1 Milliarden Tonnen pro Jahr senken.  

 

Das klingt teuer, aber dieses Geld würde auch Energie im Wert von 1,2 Billionen Dollar einsparen - und das in Zeiten steigender Preise und ungesicherter Versorgung. Kein Wunder also, dass das Empire State Building in New York nun "grün" wird. Seine Sanierung soll die Stromkosten um 38 Prozent senken.  

 

Kein Wunder also, dass die USA und China energieeffizientes Bauen zum Herzstück ihrer Klimapolitik gemacht haben, während die Europäer Energie verschwendende Glühbirnen entsorgen und Indien die Revolution des ökologischen Bauens fördert. Im Kampf gegen die globale Erwärmung verspricht die grüne Bauweise schnellen Erfolg.  

 

Wenn wir hingegen nichts unternehmen, werden sich die von Gebäuden verursachten Emissionen angesichts der schnell voranschreitenden Verstädterung bis zum Jahr 2030 verdoppeln. Und da Gebäude in den meisten Ländern die größten Verursacher von Treibhausgas-Emissionen sind, würde es unmöglich, die rasante globale Erwärmung aufzuhalten.  

 

Solides Fundament  

Der Bausektor hat das größte Potential für eine wesentliche Senkung der Emissionen, so der Weltklimarat (IPCC). Der Energieverbrauch könnte um 30 bis 50 Prozent gesenkt werden.  

 

Der Weltklimarat sagt weiterhin, dass solche Einsparungen ohne zusätzliche Kosten möglich sind. Viele Gebäude müssen ohnehin modernisiert werden und die Investitionen in die Energieeffizienz rechnen sich durch die Einsparungen bei den Stromkosten. Anders als bei der CO2-Abscheidung oder beim Geo-Engineering können diese Maßnahmen mit erprobten, häufig von der traditionellen Architektur inspirierten Technologien sogar bereits heute eingesetzt werden.

 

"Die Römer haben es schon vorgemacht", führt Berater Daniel Mill von Camco aus, einer der weltgrößten Berater für Energieeffizienz. "Sie kühlten die Raumluft, indem sie sie zuvor durch Röhren im Boden leiteten."

 

In modernen Gebäuden werden dagegen 80 bis 90 Prozent des Energiehaushalts für Kühlung, Heizung, Ventilation, Beleuchtung und den Betrieb von Geräten aufgewendet.


Grünes Bauen - der schnellste Weg zu weniger CO2

Bauen und Recyclen - kein Widerspruch!

Wie aus Glasflaschen ein Tempel entsteht und warum Kinder in alten Windturbinen spielen (zum Ansehen der Galerie einfach auf das Bild klicken)

 

In kalten Gegenden ist die bessere Isolierung von Wänden, Dächern, Böden und Fenstern ausschlaggebend. Gebäude luftdicht zu machen und die Wohnräume nach der Sonne auszurichten, senkt die Heizkosten ebenfalls.  

 

In heißen Gegenden sind eine verbesserte Ventilation und Sonnenschutz das Wichtigste. Entwürfe für durchgehende Räume begünstigen die Luftzirkulation, während durch Dachgärten, dicke Wände und schattige Korridore weniger gekühlt werden muss.  

 

Energieeffiziente Lösungen für Bauteile und Beleuchtung machen den Unterschied, zum Beispiel Dachfenster, automatische Beleuchtung und Energiesparlampen. Die Beleuchtung hat immerhin einen Anteil von 17 Prozent am weltweiten Energieverbrauch, so Michael Weinhold, technischer Direktor für Energiefragen bei Siemens.  

 

Strom für alle!

Heiz- und Kühlsysteme für Räume und Wasser müssen effizienter werden. Gasbetriebene Anlagen sind bereits sauberer als elektrische, aber es gibt umweltfreundlichere Alternativen wie Erdwärmepumpen, Biogasanlagen, Luft-Wasser-Wärmepumpen und mit Holz oder Solarenergie betriebene Systeme.  

 

Eine noch wirtschaftlichere Lösung ist die gemeinsame Energienutzung, sagt Daniel Mill. "Anstatt in jedem Haus einen eigenen Warmwasserbereiter zu verwenden, benutzen Sie einen gemeinsamen. Über Röhren im Boden wird das Wasser in der Nachbarschaft verteilt."  

 

Strom lokal selbst zu erzeugen, ist der nächste Schritt. In Malmö, Schweden, wird Haushaltsmüll verbrannt, um Wärme und Strom zu gewinnen. Durch die Unabhängigkeit vom öffentlichen Netz gibt es keinen Übertragungsverlust. Die Häuser sind 40 bis 60 Prozent energieeffizienter als der europäische Durchschnitt, so Mills, und nur drei Prozent ihres Abfalls kommt auf die Müllkippe.  

 

Von Malmö bis Masdar City in den Vereinigten Arabischen Emiraten – ökologisches Bauen ist ein aktuelles Thema. Und es gibt viele zertifizierte Standards für effiziente und nachhaltige Architektur, zum Beispiel den Green Star in Australien, CASBEE in Japan oder den LEED des Green Building Councils in den USA.

 

Ein Beispiel für effizientes "grünes Bauen" ist das CII-Sohrabji Godrej Green Business Centre in Hyderabad, Indien. Allianz Knowledge war für sie vor Ort (Video in englischer Sprache)

 

 

 

Alte Wege, neue Schritte

Das Problem dabei: Der Fokus liegt auf neuen Gebäuden, doch die meisten Gebäude sind alt.  "Sogar 2050 werden 80 bis 85 Prozent der Gebäude aus der heutigen Zeit stammen", sagt Mill. "Wir müssen etwas beim alten Bestand unternehmen."  

 

Manche Leute tun genau das. In den USA bekommen Hausbesitzer eine Steuergutschrift von 1.500 Dollar, wenn sie ihre Häuser energieeffizienter machen. Und in Deutschland können Hausbesitzer seit 2004 zu günstigen Zinssätzen Kredite für energieeffizientes Bauen bekommen, was die Emissionen in Deutschland senkt.

 

Dennoch gilt es, große Hürden zu überwinden.  

 

Erstens sind Gebäude extrem langlebig. Es ist schwer, sie mit der Aussicht auf Energieersparnis in ferner Zukunft zu renovieren. Bis sich Investitionen, die zu mindestens 20 Prozent Energieeinsparung führen, auszahlen, dauert es "15 bis 25 Jahre in bestehenden Gebäuden", so die Angaben des UNEP-SBCI, des Umweltprogramms der Vereinten Nationen.  

 

Zweitens zahlen die Bewohner der Gebäude zwar die Stromrechnungen, sind aber oft nicht die Besitzer und deshalb nicht zu Investitionen bereit. Die Hausbesitzer wiederum wollen auch nicht investieren, denn sie zahlen ja nicht die Stromrechnungen.  

 

Drittens sind weder Politiker noch Gesetzgeber oder Märkte große Verfechter der ökologischen Bauweise.  

 

"Nicht EIN einziger Vorschlag (des Bali Aktionsplans) der Teilnehmer - Agenturen und Beobachter eingeschlossen – bezog sich auf den Bausektor", klagte Kilaparti Ramakrishna, UNEP-Berater für Umweltrecht und Abkommen, im April 2009.


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Das UNEP-SBCI führt an, dass von den 4.500 Projekten, die das Kyoto Protokoll als Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung vorsieht, nur 12 das Ziel haben, den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken. In einer Studie kommt das UNEP-SBCI zu dem Schluss, dass "allein die Kräfte des Marktes nicht zur Senkung der Gebäude-Emissionen führen werden". Eine Regulierung durch die Regierungen, zum Beispiel mittels Bauvorschriften, sei effektiver.

 

Einige Regierungen unternahmen bereits ermutigende Schritte. Die sogenannte CO2-Reduktions-Verpflichtung wird in Großbritannien ab dem Jahr 2010 die Besitzer von Geschäftsgebäuden für Energieeinsparungen belohnen und Verschwendung bestrafen. Durch das Gesetz für nachhaltiges Bauen müssen alle neuen Gebäude einen bestimmten, jährlich steigenden Grad an Energieeffizienz erreichen. In der EU gibt es die Gebäuderichtlinie für energieeffizientes Bauen und in den USA das Energy Star Programm.  

 

"Wir wissen, dass es möglich ist, die Technologien sind vorhanden", schließt Daniel Mill. "Wir brauchen Architekten und Bauunternehmer, die Gebäude entwerfen, die das Klima und die Umwelt schonen, und nicht einfach nur Geld verdienen wollen."

 

Autor: James Tulloch

Veröffentlicht am: 23.09.2009

 
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