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Demografieprofil Deutschland Teil 7: Vorsorge für die Zukunft

Sechs Millionen Menschen werden im Jahr 2020 über 80 Jahre alt sein. Für die wachsende Schar älterer Menschen wird mehr professionelle Pflege gebraucht – aber auch mehr Geld. Harry Jentson, Experte für Pflegeversicherungen bei der Allianz, erklärt, wie wir für die Zukunft vorsorgen können.


Demografieprofil Deutschland Teil 7: Vorsorge für die Zukunft

Harry Jentson, Fachgebietsleiter Pflegeversicherung bei der Privaten Krankenversicherung der Allianz

"Ein Platz in einem deutschen Pflegeheim kostet monatlich rund 3200 Euro. Je nachdem, wie viele Pflegeleistungen nötig sind, kann es sogar noch mehr werden." (Foto: Allianz)

 

In Politik und Medien wird viel über die Altenpflege diskutiert, aber die Deutschen scheint das nicht sonderlich zu interessieren. Gerade mal die Hälfte der Bevölkerung sorgt finanziell vor. Warum ist das so?  

Vermutlich wollen die Leute nicht an das Thema Pflege denken – vor allem die Jüngeren: 'Das betrifft mich nicht, das ist noch so weit weg.' Ich glaube, das ist ganz normal. Es ist nicht gerade schön, sich vorzustellen, dass man selbst einmal bettlägerig oder pflegebedürftig wird. So umgehen die Leute das Thema einfach und sorgen nicht vor.  

 

Vielleicht glauben viele, dass Verwandte oder Kinder sie später pflegen werden.  

Das stimmt sicher, ist aber etwas blauäugig. Unsere Gesellschaft funktioniert einfach anders als früher und häusliche Pflege wird kaum unterstützt: Die Menschen ziehen häufiger um. Sowohl Männer als auch Frauen sind voll berufstätig. Und viele wohnen allein – weit weg von ihrer Familie. In einer Großfamilie leben heute nur noch die wenigsten.

 

Also scheidet in den meisten Fällen häusliche Pflege von vornherein aus?

Sagen wir so: Es ist zumindest schwierig. Wenn Sie ohne professionelle Hilfe einen Angehörigen pflegen wollen, ist das eine Menge Arbeit. Sie müssen Tag und Nacht in Bereitschaft sein; auf Urlaub müssen Sie wahrscheinlich auch verzichten.

 

Und Sie müssen damit klarkommen, dass Sie einen geliebten Menschen um sich haben, dessen Zustand sehr schlecht ist. Wer einen Angehörigen pflegt, steht unter enormem körperlichem und psychischem Stress.

 

Aber professionelle Pflege ist doch ziemlich teuer?

Allerdings, Pflege kann sehr viel kosten. Ein Platz in einem deutschen Pflegeheim kostet monatlich rund 3200 Euro. Je nachdem, wie viele Pflegeleistungen nötig sind, kann es sogar noch mehr werden.

 

Die Pflegeversicherung zahlt nur die Kosten für die Pflege selbst – nicht für Essen und Unterbringung. Der höchste Betrag, den ein Versicherter bekommen kann, sind ca. 1470 Euro im Monat.

 

Die Differenz muss derjenige selbst aufbringen. Und wenn die Rente oder die Ersparnisse dafür nicht reichen, müssen die Kinder oder andere Verwandte dafür aufkommen. Die meisten Leute in Deutschland wissen das übrigens nicht.


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Grafik: Deutschlands sinkende Geburtenrate

Welche Ereignisse in der Geschichte Deutschlands seit 1871 haben die Geburten- und Sterberate beeinflusst? Klicken Sie auf das Bild, um sich die Grafik anzusehen.

 

Warum übernimmt die Pflegeversicherung nicht die gesamten Kosten?

So war es einfach nie gedacht – die Pflegeversicherung ist nicht dazu da, die Kosten komplett abzudecken. Der Staat kümmert sich nur um die Grundbedürfnisse. Die Pflegeversicherung ist eine Pflichtversicherung – wenn sie alle Kosten abdecken würde, wären die Beiträge unbezahlbar.

 

Das ganz besonders angesichts der Überalterung und steigender Kosten für den Einsatz besserer medizinischer Geräte. Über zwei Millionen Menschen erhalten derzeit Leistungen von der Pflegekasse.

 

Im Jahr 2030 werden es doppelt so viele sein; gleichzeitig sinkt die Zahl der Beitragszahler. Eines ist jetzt schon sicher: Die Pflegeversicherung wird künftig nicht mehr Leistungen erbringen, sondern die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen werden mehr zahlen müssen.

 

Wie lässt sich ein solches Problem vermeiden?

Zunächst müssen Sie sich klarmachen, dass gute Pflege ihren Preis hat – und dass Sie das meiste davon selbst zahlen müssen. Ohne eine zusätzliche private Versicherung lässt sich das nicht vermeiden.

 

Es gibt beispielsweise eine Form der privaten Vorsorge, die die Lücke zwischen den gesetzlichen Leistungen und den tatsächlichen Kosten abdeckt: Je nach Menge der benötigten Pflegeleistungen wird ein Tagessatz ausbezahlt.

 

Wann sollte man mit der Altersvorsorge anfangen? Können sich auch ältere Menschen noch versichern?

Grundsätzlich können Sie eine private Pflegeversicherung noch abschließen, wenn Sie schon zwischen 50 und 60 Jahre alt sind. Das würde ich allerdings nicht empfehlen. Man sollte schon früher damit anfangen. Erstens wissen Sie ja nicht, ab wann Sie Pflege brauchen.


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Interview: Katrin Schaller 

Veröffentlicht am: 13. Mai 2009

 
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